Auch Fahrräder können grausam sein

Schlagwörter

, , , , , , , ,

Als ich mich mit dem linken Fuß vom Asphalt abstoße, wie ich es immer tue, wenn ich anfahre, prallt mein Knie gegen deines, weil du auf dem Gepäckträger sitzt und ich das nicht bedacht habe. Es tut nicht weh, es ist nur eine kurze Berührung, aber die ist so vertraut, dass ich lächeln muss und mich so wohl fühle wie schon lange nicht mehr. Es ist so schön, dich dort zu wissen.

Aber auf halbem Weg über die Straße schwindet mein Lächeln langsam, weicht mein Glück der Verwunderung und auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist meine Verwirrung so groß, dass ich nach hinten greife, nach da, wo du sitzt, um sicher zu gehen, um zu zerstreuen, was mich verwirrt.

Doch statt dir greift meine Hand … Nichts. Für einen Moment schlingert mein Fahrrad bedenklich, bis ich die systematische Suche, das Wedeln hinter mir über dem Gepäckträger, aufgebe und den Lenker wieder mit beiden Händen halte. Grausam um dich betrogen und immer noch verwirrt, trete ich wieder in die Pedale. Es muss das hinten an meinem Sattel baumelnde Schloss gewesen sein, das ich gespürt habe. Auch, wenn das eigentlich zu hoch hängt, um mit dem Knie daran zu stoßen.

Seltsam.

Ich habe nie eine Freundin auf meinem Fahrrad mitgenommen. Du, die du dort warst, auf meinem Gepäckträger, direkt hinter mir, du warst keine von ihnen, du bist wie keine von ihnen.
Dein Verlust schmerzt mich mehr.

Kühl liegt er da

Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Eingehüllt in eine Decke sitze ich vor dem offenen Fenster und genieße die morgendliche Kühle. Gestern in der Hitze konnte man noch einzelne Wolken unterscheiden, heute ist der Himmel eine große graue Masse, die noch vor Kurzem ihren Wasserballast auf Straßen, Häuser, Bäume, Gräser abgeworfen hat.

Mit der einströmenden Luft zieht der Dunst ebendieser Straßen, Häuser, Bäume und Gräser über mich hinweg. Die beherrschenden Geräusche sind fallende Tropfen und ,selten, in der Ferne Autoreifen auf regennasser Straße. Fast windstill, bewegen sich die feuchten Blätter nur, wenn ein Tropfen von weiter oben auf ihnen landet.
Ich kann sie bis zum Boden verfolgen.

Alles strahlt neue, leichte Frische aus, die in den letzten Tagen unerreichbar schien.Die Seitenstraßen waren Backöfen, jedes Gebäude eine Heizspirale. In den langen Planstraßen Friedrichs’ waberte die Hitze, stand die Luft und verschluckte sekundenlang die Autos, bis sie ,einer Fata Morgana gleich, größer oder kleiner wieder aus der Straße auftauchten. Jeder Schritt war Schweiß und die Luft fast zu dick zum Atmen. Die Hitze drückte alles nieder.

Jetzt ist alles leicht, lebt mehr als vorher, auch, wenn der Regen zurückkehrt und das Plätschern des Wassers in der Regenrinne wieder lauter wird.
Wahrlich, ein Morgen zum Genießen.

Messebesuch – Teil 4

Schlagwörter

, , , , , , , ,

Teil 3

Auf dem Weg dorthin lässt sich ein weiteres Phänomen beobachten: die Clusterbildung. Ganz plötzlich und ohne erkennbaren Grund wird der Verkehr, der vor ein paar Sekunden noch flüssig war, zäh und dick, steht fast. Wer jetzt denkt, ich habe nur das Klo oder den Imbissstand übersehen, der irrt, denn es passiert auch in den Verbindungsgängen zwischen den Hallen. Trotzdem komme ich unbeschadet in Halle 5 an, die sich als wenig interessant herausstellt, jedoch über den – jetzt – nächstgelegenen Gastronomiebereich verfügt.

Da Füße, Magen und linke Schulter (Fototasche) schon seit Ende Halle 3 erkennen lassen, dass die Rebellion nicht mehr weit ist, sollte ich sie noch länger ignorieren, gebe ich nach und stelle mich an der Schlange (XXL) an. Als ich endlich Essen (S) und Getränk (M) in Händen halte, vergessen die Potentiell-Rebellen und ich kurzzeitig ihre Drohung und fühlen uns beraubt. Zwar war klar, dass die Preise auf der Messe das normale Niveau deutlich überschreiten werden, aber mit einer Steigerung um das Dreifache hatte ich nicht gerechnet. Nach dem Verzehr im Sitzen, der alle aufstandsbereiten Körperteile wieder beruhigt, versuche ich diesen kleinen Schock zu vergessen und freue mich stattdessen auf meinen bevorstehenden Besuch bei der Mauer aus alten Büchern.

Mein Orientierungssinn ist nach der kleinen Mittagspause wohl noch nicht wieder mit Personal besetzt und so irre ich erst durch drei Hallen, bis ich endlich die Richtige finde. An der Mauer angekommen, beschließe ich schnell, die restlichen drei Stunden Messeaufenthalt hier zu verbringen. Es ist einfach herrlich. Von ganz links außen schaue ich mich durch die Bücherregale und in Regal Nr. 3 stoße ich auf das erste Buch, das mich reizt: “Hirtengedichte” von Vergil. Drei Gründe sind dafür verantwortlich: Zum einen die äußere Form. schlank, hoch und rechteckig – es erinnert mich an teure Gedichtbände und an ein Buch mit den Fragmenten eines Schriftstellers, dass mich nachhaltig beeindruckt hat. Zum zweiten die Schriftart und die verzierenden Elemente, die schon fast Illustrationen sind und den Titel des Buches wo immer möglich unterstreichen. Zum dritten und letzten der Umstand, dass das Buch zweisprachig verfasst ist: im lateinischen Original und in der deutschen Übersetzung. Zwar hasste ich Latein früher, über die Jahre hinweg habe ich es aber “lieben” gelernt. Je weiter Weg die Zeit in der ich es verwenden musste, umso mehr erinnert es mich an einen alten Freund, mit dem man viel Streit hatte, an den man sich aber trotzdem nur in gutem Licht erinnert. Trotzdem wandert das Buch zurück ins Regal.

Als Sarah Kuttner ihren Auftritt auf der ARD-Bühne beendet, habe ich meine Wahl getroffen: ein Briefband des – wie es im Vorwort heißt – großen deutschen Dichters Gottfried Keller (wie ich später recherchiere stammt das Buch wohl aus dem Jahr 1925) herausgegeben von Max Nußberger und in sehr gutem Zustand (Zwölf Euro) und eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel “Der illustrierte Mann” (1962) von Ray Bradbury (Sechs Euro). Ersteres war – in meinen Augen – so schön, dass ich es einfach haben musste, auch wenn ich keine Ahnung hatte und habe, wer Gottfried Keller ist und Letzteres ein Schnäppchen, dessen Autor ich immer wieder gern lese, obwohl es manchmal schwer ist.

Ich bezahle und eine viertel Stunde später sitze ich zufrieden ganz hinten im Bus, wo ich sofort nach Fahrtbeginn einschlafe und bis zum Ende nicht mehr aufwache. An Träume kann ich mich nicht erinnern.

- Ende -

PS: In Teilen ist dieser Text auf meinem Handy während der Rückfahrt entstanden, dessen Wortrateprogramm mit Namen “T9″ ich dabei mehr als einmal verflucht habe. Im Ganzen war es dennoch eine, für mich als Füllfederhalter-und-Papier-Anhänger, ungewöhnliche Erfahrung, die durchaus auch Spaß bereitet hat. In bestimmten Teilen habe ich mir erlaubt, vom Tatsächlichen abzuweichen und etwas in die Fiktion abzudriften. Man sollte den “Bericht” also nicht zu wörtlich nehmen.

Messebesuch – Teil 3

Schlagwörter

, , , , , ,

Teil 2

Trotzdem bekomme ich immer mehr Lust Langsamgeher und Rumsteher mit meiner wachsenden Infopapierrolle aus dem Weg zu prügeln, da das ständige Ausweichen und Zwangsstoppen doch langsam nervt. Um dem “Zwischenmenschlichen” noch eine Beobachtung hinzuzufügen: Es scheint, als habe wirklich jeder den Entschluss gefasst, die Buchmesse möglichst lückenlos zu dokumentieren. Man kann keinen Schritt tun ohne jemandem fast oder tatsächlich durchs bzw. ins Bild zu laufen. Die Gewissheit, ungewollt schon mehrere Male Haupt- bzw. Nebendarsteller gewesen zu sein gepaart mit einer gewissen Abneigung gegen den Mainstream bringen mich dazu, meinen Fotoapparat in der Tasche zu lassen. Es werden sich ja sicherlich genug Bildnachweise im Internet finden, sollte ich jemandem zeigen wollen, wie es gewesen ist. Um den Fotografen vor Augen zu führen, was sie mit den Besuchern anstellen,denke ich mir den Gegen- oder “Counterfotografen” aus: in dem Moment, in dem jemand ein Foto schießt, wird er automatisch (mit Blitz) selbst abgelichtet, was ihm dann hoffentlich das Gefühl etwas näher bringt, das er als Foto-Amokschütze bei anderen Mitmenschen auslösen kann. Zugegebenermaßen waren das leichte Überreaktionen, aber nach einem halben Tag im Gedränge entschuldbar, wie ich finde.

In Halle 3 jedenfalls staube ich nun endlich meine erste Gratistasche ab und muss mich anschließend fragen, warum ich sie mir habe geben lassen: ein Werbeprospekt, mehr Inhalt hat die dafür mehr als überdimensionierte Tasche nicht zu bieten. Keine schönen unnützen Gaben, die ich erwartet hatte. Ich bin enttäuscht. Die zweite Tasche nehme ich gedankenverloren kurz danach entgegen. Ich war immer noch mit der Frage des “Warum?” beschäftigt und daher nicht abwehrbereit. Völlig überraschend enthält auch sie nichts nennenswertes. Meine Konklusion: Der Buchbranche muss es wirklich schlecht gehen. Anders kann ich mir diese Taschen nicht erklären. Ich beschließe, ab sofort in keine solchen unnützen “Gratisfallen” mehr zu tappen, schäme mich aber trotzdem für den kurzen Moment schamloser Rumkonsumiererei.

Ganz hinten in Halle 3 stoße ich auf den Teil, der mich am meisten interessiert: die Antiquariatsmesse. Zwar kann ich mir von den wirklich alten (und sehr schönen) Büchern keines leisten, aber rund um die “richtigen” Antiquariate in ihrem extra separierten Bereich wurde eine Mauer aus nicht ganz so alten, nicht ganz so wertvollen Büchern errichtet, die mich magnetisch anzieht. Wenn es den Himmel gibt, hat er für mich eine Abteilung, die genau so aussieht…minus die Besucher. Bevor ich aber zum Sturm blase, möchte ich noch in Halle 5, schließlich muss man sich alles ansehen, wenn man schon einmal hier ist. Sagt man jedenfalls.

wird in Teil 4 fortgeführt…

Messebesuch – Teil 2

Schlagwörter

, , , , , ,

Erster Teil

Vielleicht durch den Umstand begünstigt, dass ich mich immer noch nicht ganz von dem Blitz erholt habe und mich daher mehr auf meinen Hör- als meinen Sehsinn verlassen muss, erfreut mich beim weitergehen der Klang fremder Sprache aus dem Cafe Europa noch mehr, als ich erwartet hatte. Ein Autor sitzt gerade mit seinem Übersetzer vor halb leeren Stuhlreihen und beantwortet Fragen. Da ich nur auf den Schriftsteller höre und nicht auf die deutsche Übertragung, verstehe ich nichts von dem, was gesagt wird, aber die Sprache und seine Stimme geben der Buchmesse schon jetzt einen internationalen Unterton.

Als ich an der Messebuchhandlung ankomme, ist vom Cafe her nichts mehr zu hören. Ich wende mich zweimal nach links und gehen den Parallelgang in entgegengesetzter Richtung wieder “hinauf”. Die ersten, die mir hier auffallen, sind meine Freunde aus Israel, bei denen gerade eine Autorenlesung stattfinden, die, der Zuhörerzahl nach zu urteilen, großen Anklang findet. Über den Stand verteilt sind kleine Flaggen, die man kostenlos mitnehmen könnte – besonders die Israel-Fahne in Regenbogenfarben sticht heraus, originell und ungewöhnlich wie sie ist. Ich schreibe “man könnte”, da ich mir keine nehme. Erstens, weil sie nach kurzer Zeit entweder irgendwo verstauben oder im Müll landen und zweitens, da ich im Allgemeinen eher nicht dazu neige, nationalstaatliche Symbole mit mir herumzutragen. Nur in Stadien und auf Fan-Meilen ist das anders. Der Rest von Halle 4 ist eher unspektakulär, weswegen ich mich auf den Weg in Halle 2 mache und im Gang zwischen 2 und 4 auf die ersten “komisch verkleideten Jugendlichen” stoße. Allgemein zu den Kostümen bleibt zu sagen, dass sie zum Großteil sehr aufwendig und sehr gut gemacht sind. Was mir auch auffällt, sind die vielen Werbetaschen, deren Zahl so groß ist, dass sie gratis sein müssen. In gut konsumistischer Manier beschließe ich, dass ich unbedingt auch mindestens eine brauche, auch, wenn ich nicht genau weiß warum oder wozu.

In Halle 2 angekommen ist nicht zu übersehen, dass hier Manga & Co. zu finden sind, denn plötzlich bin ich der verkleidete. Die Flut ist überwältigend und durch die teils ausladenden Kostüme werden die Gänge zu mit Fallen gespickten Märchen- oder besser “Mangawelten”. Deswegen und weil mich dieser Bereich nicht besonders interessiert, wende ich mich nach links in Richtung Glashalle.

Schon im schlauchartigen Zugang bemerkt man den “zentralen Konstruktionsfehler” der Halle, da sich die bisher rein optische Verwandtschaft zu den Kleintreibhäusern meiner Großeltern nun um eine termische Komponente erweitert. War es in den anderen Hallen schon nicht gerade kühl, so ist es hier fast heiß. Nach einer halben Runde, die mich an ZDF, mdr, 3sat und einer komischen scharzen Box vorbeiführt, aus der mich ein Mann anstarrt, von dem ich erwarte ihn jeden Moment in Panik die Scheibe bearbeiten zu sehen, sitzt er doch im Treibhaus im Treibhaus, begebe ich mich zwecks Abkühlung in Halle 3, in der sich der Publikumsverkehr noch etwas zurückhält.

wird in Teil 3 fortgeführt…

Messebesuch – Teil 1

Schlagwörter

, , , , , , , ,

Da ich nun schon eine Woche länger für diesen Text brauche, als ich eigentlich beabsichtigt hatte und er auch im Umfang wesentlich größer geworden ist (und immer noch wird), als ich eigentlich annahm, werde ich die Schilderung meines Besuchs auf der Leipziger Buchmesse in voraussichtlich vier bis fünf Teile aufspalten und sie hier (hoffentlich) alle im Laufe dieser Woche veröffentlichen. Wie es immer ist, wenn ich einen Text zu lange vor mir liegen habe, sind mir inzwischen erhebliche Zweifel an der Qualität meiner Arbeit gekommen. Sollte ich damit richtig liegen, bitte ich das in den Kommentaren oder durch eine entsprechende Sternchen-Bewertung zu vermerken. Feedback kann nur hilfreich sein.

Um 6:30 Uhr morgens beginnt auf einem Parkplatz in der bayerischen Provinz, die ich Heimat nenne, die Reise. Ein Bus soll uns nach Leipzig bringen. Wie zu erwarten, wenn man frierend in der frühmorgendlichen Kälte steht, kommt er zu spät. Als er dann endlich kommt, steige ich ein und suche mir einen schönen Fensterplatz, ungefähr in der Mitte des Busses. Kurz vor der Abfahrt werden noch Taschen verteilt. Inhalt: zwei Bücher, Messeplan und Veranstaltungshinweise. “Eine schöne Entschädigung für die kalte Wartezeit”, denke ich und verschlafe zufrieden die ersten eineinhalb Stunden der Reise.

Durch die Abwesenheit von Motorgeräuschen und das den Bussen eigene Schaukeln werde ich geweckt. Es ist die angekündigte halbstündige Pause auf einem Rastplatz, zusammen mit halb Bayern, das sich scheinbar dazu entschlossen hat, das Leipziger Messegelände zu annektieren und dem Überraschungsmoment wegen als Touristen getarnt aus Bussen heraus operiert. Den Ort aufzusuchen, den auch Könige und Kaiser wohl immer noch zu Fuß betreten müssen, ist dadurch – selbst bei einer Pause von einer halben Stunde – unmöglich. Also begnüge ich mich mit einer kurzen Runde um den Rastplatz und warte bis es weitergeht.

Wieder unterwegs packe ich meine Kamera aus und nehme mir vor – da ich nun schon einmal wach und einigermaßen ausgeschlafen bin – nicht nur die Messe selbst, sondern auch den Weg dahin photographisch zu dokumentieren. Allerdings gebe ich den Gedanken zumindest für die Busfahrt schnell wieder auf, da das laute “Klack” des Spiegels meiner alten Canon Blicke von ungläubig bis böse auf sich zieht. Aus Verlegenheit über meine scheinbar als unbedarft oder unüberlegt angesehene Aktion setzte ich meine Kopfhörer auf und stelle mich schlafend, um nicht weiter aufzufallen.

Kurz vor Leipzig, während der Ansage einer der Reisebegleiterinnen, wage ich mich dann aus dem fingierten Tiefschlaf und bin mir spätestens nach dem Hinweis für “Erstbesucher”, man solle sich nicht über – ich zitiere – “komisch verkleidete Jugendliche” wundern, das habe mit den Mangas und Animes (die als “japanische Comics” erklärt werden) zu tun, die hier auf der Messe stark vertreten seien, sicher, dass sich alle missbilligenden Blicke und Gespräche von mir ab- und den “komischen Jugendlichen” zugewandt haben.

Als der Bus hält, bin ich froh endlich aussteigen und die Messe alleine erkunden zu können. Auf dem Weg zum Eingang von Halle 4 sind schon einige “komisch gekleidete Jugendliche” zu sehen und natürlich sofort das Gesprächsthema der restlichen Busbesatzung, durchaus auch im positiven Sinn. Als ich Halle 4 betrete, gebe ich fast sofort alle Pläne bezüglich Autorenlesungen und bestimmten Standbesuchen auf und entschließe mich dazu, erst einmal über das ganze Gelände zu spazieren. Vom Eingang aus kommend, biege ich rechts in den ersten Gang ab und bewege mich Richtung Messebuchhandlung. Am Stand des amerikanischen Generalkonsulats lässt sich gerade eine Dame mittleren Alters breit und übererfreut grinsend neben einem Obama-Pappaufsteller ablichten. Sie hat den Arm vorsichtig auf seine Schulter gelegt und – völlig überrascht von der Szene, kann ich nur daran denken, wie absurd das ist. Zum einen, weil die Mitarbeiter des Konsulats die plastiküberzogene Variante gewählt haben, die so sehr spiegelt, dass der Blitz des Fotoapparats die Passanten halb blind zurücklässt und wohl kein gutes Bild entsteht. Zum anderen, weil ein Papp-Obama-Foto weder lustig noch prestigeträchtig ist sondern einfach nur albern. Aber die Dame und ihr Fotograph scheinen das alles nicht zu stören, also warum sollte es mich?

wird in Teil 2 fortgeführt…

The End

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , ,

I’m walking the mile, but mine’s not green, it’s brown sprinkled with blue and ochre panels. On the end of my mile there also stands a chair but it is not designed for physical execution, it’s a normal office chair in which my student-self will be killed in a few moments.
The professor in the chair opposite of me starts talking, but after the first few sentences my mind trails of. The first line from the Doors’ song “The End” starts wandering around my head and I think: “This must be how it feels like to die in a calm mood.” Removed from oneself and somehow absent, a little bit relieved even. At what seem to be the right spots I nod or say “Mhm”, “Yes” and “I understand.”, even if I don’t.
At the end of our “conversation”, I shake the profs hand, turn around and start walking the mile back up, leaving behind the corpse of my student-self to be disposed of by some bureaucrat.
I’m not quite sure what I should do now. While getting angry or crying at first seem like viable options I decide against them in favour of walking around aimlessly. Revolving in my mind, the question “What now?” seems to get bigger and bigger.
There is no plan B.
Eventually after an hour or so “The End” is replaced by “These boots are made for walkin’ “. I’m still not sure, what I’ll do, but I know I’ll be able to move on. While I’m beginning to recover, a question pops into my head: “Why is it that you, a man born in the 1980s and not interested in music until the early years of the new millenium, come up with two songs of the mid-1960s?” and Bram Stokers true laughter pays me a visit.
I’m not fine, but nothing is forever and so – hopefully – I’ll find my place.

Narben

Schlagwörter

, , , , , ,

Wenn ich so daran denke, wie mein Leben bisher verlaufen ist, fallen mir vor allem drei Entscheidungen ein, die mich zu dem gemacht haben, der ich jetzt bin; die mich hierher gebracht haben.
Die Erste war, das Mädchen an der Bar nicht anzusprechen. Noch heute sehe ich sie ganz klar vor mir. Wie sie mich ansieht, wie sie mich damit auffordert und wie wütend sie ist, als ich mich abwende.
Nie wieder war ich so feige. Es hat mich Mut gelehrt.
Die Zweite traf ich circa zweieinhalb Jahre später. Nach dem Wehrdienst fing ich an Kommunikationstechnik zu studieren. Weil meine Leistungskurse im Gymnasium Mathe und Physik gewesen waren, weil technische Studiengänge “sicher” waren und die Arbeitssuche danach angeblich nur Formsache sei. Nach zwei Semestern war klar: ich schaffe es nicht. Ich zögerte, entschied mich es noch einmal zu versuchen und wählte Werkstofftechnik. Zwei weitere Semester und auch diese Illusion war zerstört. Anschließend entschied ich mich gegen die Sicherheit, studierte eine Geisteswissenschaft und fuhr gut damit.
Nie wieder war ich so unentschlossen. Es hat mich Entschiedenheit und Kühnheit gelehrt.
Die Dritte war, nach dem Studium zur Bundeswehr zurückzukehren, als einfacher Soldat, verpflichtet auf vier Jahre. Meine Erfahrungen setzte ich hier um. Zweimal hatte ich psychisch die Hölle durchschritten. Ich fühlte mich gestählt und meldete mich freiwillig für Afghanistan. Mich würde der Kampf nicht unterkriegen. Meine Narben waren mein Panzer.
Mut, Entschiedenheit und Kühnheit haben mich fast bis hierher auf diese Straße mitten in Afghanistan gebracht. Den letzen Meter aber, den hat mir eine Kugel aus dem Hinterhalt spendiert, die quer durch meinen Körper pflügte und eine blutige Furche hinterließ.
Vier lange Minuten brauchte das Leben danach noch, bis es mich in der Mitte der staubigen Straße verließ. Vier Minuten, in denen ich jede einzelne Entscheidung verfluchte.

Kreuzzug-Sitzung 07. Februar

Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Wie angekündigt, hier die zweite Mitschrift:

Totenbett, designiert, bindend, Argument, Rolle, haben, Legitimität,
genannt, ist, Quelle, erkennen, Grundsatzfrage, im Schlaf beant-
worten, Zustand, ja, lauter, vage, nicht, simple Frage, eine nicht
unerhebliche Rolle, Syrien, unmittelbarer Nähe, gründet, letztlich,
wurden, glaubt, Irrtum, mindestens, formeller Akt, Form, immer,
spült, gerne, Bevölkerung, abhängig, nicht weniger richtig, ein Haufen
Leute, im Jahre, glückliches Land, Soldaten, anwesend, vor Ort, nicht,
Pflicht, kämpfen, Temperaturen, Privileg, wo, zugestimmt, Stelle,
Geschenke, nein, Weg, gejubelt, Akklamation = (wer den meisten)
Krach mach(t)en, Vertreter, gilt, Repräsentationsgedanke, paradox,
gefehlt, Wahl, weiten Sinne des Wortes, nachgeholt, Fakten, kompo-
niert, Problem, gar nicht in der Lage, langsam, unsicher, bündeln,
zusammenfassen, lesen, Seminar, Beispielen, dienen, was, ange-
fangen, schöne Rede, mitnehmen, keine Ahnung, Sicherheit, er-
hebliche Wirkung, äußern, lakonische Kürze, spirituellen Gewinn,
gut dokumentiert, keineswegs die Regel, erhalten geblieben, haben,
freilich, verfasst, Autoren selbst, herangezogen, Memoiren, her sind,
schlechte Quellen, verdreht, vergessen, verdrängt, atmosphärische,
Damen und Herren, erster Schritt, Einfluss, entwickelt, Werke,
immer noch, heranzuziehen, gewichten, aneinanderzureihen, höher,
nacherzählt, aufbauen, Spekulationen, einzelne Zeugnisse, Bewegung,
Fremden, Frauen, Verwandten, mitteilen, Leiter, kann, hatten, Briefe,
erzählende Quellen, warum nicht, fließen, anfängt, Ereignis, ver-
festigt, gießen, verfestigen, Arbeitsweise, Form, von Neuem an-
wendet, sollen, ziemlich gutes Seminar, Fragen, Bemerkungen,
Lob, Begeisterung, nicht, glücklich, beenden, alles Gute, fleißig,
eine Sache noch, gutgeschrieben haben wollen, Auf Wiedersehen.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.