Messebesuch – Teil 1

Da ich nun schon eine Woche länger für diesen Text brauche, als ich eigentlich beabsichtigt hatte und er auch im Umfang wesentlich größer geworden ist (und immer noch wird), als ich eigentlich annahm, werde ich die Schilderung meines Besuchs auf der Leipziger Buchmesse in voraussichtlich vier bis fünf Teile aufspalten und sie hier (hoffentlich) alle im Laufe dieser Woche veröffentlichen. Wie es immer ist, wenn ich einen Text zu lange vor mir liegen habe, sind mir inzwischen erhebliche Zweifel an der Qualität meiner Arbeit gekommen. Sollte ich damit richtig liegen, bitte ich das in den Kommentaren oder durch eine entsprechende Sternchen-Bewertung zu vermerken. Feedback kann nur hilfreich sein.

Um 6:30 Uhr morgens beginnt auf einem Parkplatz in der bayerischen Provinz, die ich Heimat nenne, die Reise. Ein Bus soll uns nach Leipzig bringen. Wie zu erwarten, wenn man frierend in der frühmorgendlichen Kälte steht, kommt er zu spät. Als er dann endlich kommt, steige ich ein und suche mir einen schönen Fensterplatz, ungefähr in der Mitte des Busses. Kurz vor der Abfahrt werden noch Taschen verteilt. Inhalt: zwei Bücher, Messeplan und Veranstaltungshinweise. „Eine schöne Entschädigung für die kalte Wartezeit“, denke ich und verschlafe zufrieden die ersten eineinhalb Stunden der Reise.

Durch die Abwesenheit von Motorgeräuschen und das den Bussen eigene Schaukeln werde ich geweckt. Es ist die angekündigte halbstündige Pause auf einem Rastplatz, zusammen mit halb Bayern, das sich scheinbar dazu entschlossen hat, das Leipziger Messegelände zu annektieren und dem Überraschungsmoment wegen als Touristen getarnt aus Bussen heraus operiert. Den Ort aufzusuchen, den auch Könige und Kaiser wohl immer noch zu Fuß betreten müssen, ist dadurch – selbst bei einer Pause von einer halben Stunde – unmöglich. Also begnüge ich mich mit einer kurzen Runde um den Rastplatz und warte bis es weitergeht.

Wieder unterwegs packe ich meine Kamera aus und nehme mir vor – da ich nun schon einmal wach und einigermaßen ausgeschlafen bin – nicht nur die Messe selbst, sondern auch den Weg dahin photographisch zu dokumentieren. Allerdings gebe ich den Gedanken zumindest für die Busfahrt schnell wieder auf, da das laute „Klack“ des Spiegels meiner alten Canon Blicke von ungläubig bis böse auf sich zieht. Aus Verlegenheit über meine scheinbar als unbedarft oder unüberlegt angesehene Aktion setzte ich meine Kopfhörer auf und stelle mich schlafend, um nicht weiter aufzufallen.

Kurz vor Leipzig, während der Ansage einer der Reisebegleiterinnen, wage ich mich dann aus dem fingierten Tiefschlaf und bin mir spätestens nach dem Hinweis für „Erstbesucher“, man solle sich nicht über – ich zitiere – „komisch verkleidete Jugendliche“ wundern, das habe mit den Mangas und Animes (die als „japanische Comics“ erklärt werden) zu tun, die hier auf der Messe stark vertreten seien, sicher, dass sich alle missbilligenden Blicke und Gespräche von mir ab- und den „komischen Jugendlichen“ zugewandt haben.

Als der Bus hält, bin ich froh endlich aussteigen und die Messe alleine erkunden zu können. Auf dem Weg zum Eingang von Halle 4 sind schon einige „komisch gekleidete Jugendliche“ zu sehen und natürlich sofort das Gesprächsthema der restlichen Busbesatzung, durchaus auch im positiven Sinn. Als ich Halle 4 betrete, gebe ich fast sofort alle Pläne bezüglich Autorenlesungen und bestimmten Standbesuchen auf und entschließe mich dazu, erst einmal über das ganze Gelände zu spazieren. Vom Eingang aus kommend, biege ich rechts in den ersten Gang ab und bewege mich Richtung Messebuchhandlung. Am Stand des amerikanischen Generalkonsulats lässt sich gerade eine Dame mittleren Alters breit und übererfreut grinsend neben einem Obama-Pappaufsteller ablichten. Sie hat den Arm vorsichtig auf seine Schulter gelegt und – völlig überrascht von der Szene, kann ich nur daran denken, wie absurd das ist. Zum einen, weil die Mitarbeiter des Konsulats die plastiküberzogene Variante gewählt haben, die so sehr spiegelt, dass der Blitz des Fotoapparats die Passanten halb blind zurücklässt und wohl kein gutes Bild entsteht. Zum anderen, weil ein Papp-Obama-Foto weder lustig noch prestigeträchtig ist sondern einfach nur albern. Aber die Dame und ihr Fotograph scheinen das alles nicht zu stören, also warum sollte es mich?

wird in Teil 2 fortgeführt…

Dieser Beitrag wurde am 26. März 2012 um 20:32 veröffentlicht. Er wurde unter Erlebtes, Erzählung, Prosa abgelegt und ist mit , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

3 Gedanken zu „Messebesuch – Teil 1

  1. War am Sonntag dort, das erste Mal für mich – leider zu spontan und viel zu spät; alles schon beinahe apokalyptisch in die Kisten zurückgelegt. Ganz besonders haften blieb mir neben dem eigentümlich traurig stimmenden Manga-Karneval die Imbissdichte und der damit verbundene Geruch mobiler Gastronomie wie an Hauptbahnhöfen. Viele Besucher, die mehr aßen als sie an Verlagsständen stehen blieben. Und man selbst läuft eine gefühlte halbe Stunde auf der Suche nach der Raucherlounge.

  2. Hallo,

    ich war am Samstag auf der Buchmesse, da ich im Radio hörte, dass Sonntag Kinder- und Familientag sein sollte. Da ist immer das meiste Gedrängle. Samstags war es jedoch auch schon ziemlich voll. Dennoch empfehle ich meist in den frühen Stunden – gleich nach 10:00 Uhr – die Messe zu besuchen, denn nachmittags wird es am vollsten.

    Mir persönlich gefielen die Bereiche für Fachbesucher – besonders interessant für Autoren und welche, die es werden möchten. Ebenso der Comic-Bereich (leider ein wenig überfüllt) und der Buchladen. Hier kann man sich mit Büchern nur so eindecken🙂

    Autogrammstunden fand ich ebenfalls toll. Ich traf so z. B. auf den Autor Wolfgang Hohlbein, wie ihr auf meinem Blog sehen könnt.

    http://jkhayden.wordpress.com/2012/03/22/buchmesse-leipzig-2012/

    und

    http://jkhayden.wordpress.com/2012/03/27/buchmesse-leipzig-2012-autogrammstunde-wolfgang-hohlbein/

    Wen habt ihr so getroffen bzw. was führte euch zur Leipziger Buchmesse?

    lg phoenics

  3. Pingback: Messebesuch – Teil 2 « klarnebel

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