Messebesuch – Teil 2

Erster Teil

Vielleicht durch den Umstand begünstigt, dass ich mich immer noch nicht ganz von dem Blitz erholt habe und mich daher mehr auf meinen Hör- als meinen Sehsinn verlassen muss, erfreut mich beim weitergehen der Klang fremder Sprache aus dem Cafe Europa noch mehr, als ich erwartet hatte. Ein Autor sitzt gerade mit seinem Übersetzer vor halb leeren Stuhlreihen und beantwortet Fragen. Da ich nur auf den Schriftsteller höre und nicht auf die deutsche Übertragung, verstehe ich nichts von dem, was gesagt wird, aber die Sprache und seine Stimme geben der Buchmesse schon jetzt einen internationalen Unterton.

Als ich an der Messebuchhandlung ankomme, ist vom Cafe her nichts mehr zu hören. Ich wende mich zweimal nach links und gehen den Parallelgang in entgegengesetzter Richtung wieder „hinauf“. Die ersten, die mir hier auffallen, sind meine Freunde aus Israel, bei denen gerade eine Autorenlesung stattfinden, die, der Zuhörerzahl nach zu urteilen, großen Anklang findet. Über den Stand verteilt sind kleine Flaggen, die man kostenlos mitnehmen könnte – besonders die Israel-Fahne in Regenbogenfarben sticht heraus, originell und ungewöhnlich wie sie ist. Ich schreibe „man könnte“, da ich mir keine nehme. Erstens, weil sie nach kurzer Zeit entweder irgendwo verstauben oder im Müll landen und zweitens, da ich im Allgemeinen eher nicht dazu neige, nationalstaatliche Symbole mit mir herumzutragen. Nur in Stadien und auf Fan-Meilen ist das anders. Der Rest von Halle 4 ist eher unspektakulär, weswegen ich mich auf den Weg in Halle 2 mache und im Gang zwischen 2 und 4 auf die ersten „komisch verkleideten Jugendlichen“ stoße. Allgemein zu den Kostümen bleibt zu sagen, dass sie zum Großteil sehr aufwendig und sehr gut gemacht sind. Was mir auch auffällt, sind die vielen Werbetaschen, deren Zahl so groß ist, dass sie gratis sein müssen. In gut konsumistischer Manier beschließe ich, dass ich unbedingt auch mindestens eine brauche, auch, wenn ich nicht genau weiß warum oder wozu.

In Halle 2 angekommen ist nicht zu übersehen, dass hier Manga & Co. zu finden sind, denn plötzlich bin ich der verkleidete. Die Flut ist überwältigend und durch die teils ausladenden Kostüme werden die Gänge zu mit Fallen gespickten Märchen- oder besser „Mangawelten“. Deswegen und weil mich dieser Bereich nicht besonders interessiert, wende ich mich nach links in Richtung Glashalle.

Schon im schlauchartigen Zugang bemerkt man den „zentralen Konstruktionsfehler“ der Halle, da sich die bisher rein optische Verwandtschaft zu den Kleintreibhäusern meiner Großeltern nun um eine termische Komponente erweitert. War es in den anderen Hallen schon nicht gerade kühl, so ist es hier fast heiß. Nach einer halben Runde, die mich an ZDF, mdr, 3sat und einer komischen scharzen Box vorbeiführt, aus der mich ein Mann anstarrt, von dem ich erwarte ihn jeden Moment in Panik die Scheibe bearbeiten zu sehen, sitzt er doch im Treibhaus im Treibhaus, begebe ich mich zwecks Abkühlung in Halle 3, in der sich der Publikumsverkehr noch etwas zurückhält.

wird in Teil 3 fortgeführt…

Dieser Beitrag wurde am 28. März 2012 um 09:18 veröffentlicht. Er wurde unter Erlebtes, Erzählung, Prosa abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Messebesuch – Teil 2

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