Messebesuch – Teil 3

Teil 2

Trotzdem bekomme ich immer mehr Lust Langsamgeher und Rumsteher mit meiner wachsenden Infopapierrolle aus dem Weg zu prügeln, da das ständige Ausweichen und Zwangsstoppen doch langsam nervt. Um dem „Zwischenmenschlichen“ noch eine Beobachtung hinzuzufügen: Es scheint, als habe wirklich jeder den Entschluss gefasst, die Buchmesse möglichst lückenlos zu dokumentieren. Man kann keinen Schritt tun ohne jemandem fast oder tatsächlich durchs bzw. ins Bild zu laufen. Die Gewissheit, ungewollt schon mehrere Male Haupt- bzw. Nebendarsteller gewesen zu sein gepaart mit einer gewissen Abneigung gegen den Mainstream bringen mich dazu, meinen Fotoapparat in der Tasche zu lassen. Es werden sich ja sicherlich genug Bildnachweise im Internet finden, sollte ich jemandem zeigen wollen, wie es gewesen ist. Um den Fotografen vor Augen zu führen, was sie mit den Besuchern anstellen,denke ich mir den Gegen- oder „Counterfotografen“ aus: in dem Moment, in dem jemand ein Foto schießt, wird er automatisch (mit Blitz) selbst abgelichtet, was ihm dann hoffentlich das Gefühl etwas näher bringt, das er als Foto-Amokschütze bei anderen Mitmenschen auslösen kann. Zugegebenermaßen waren das leichte Überreaktionen, aber nach einem halben Tag im Gedränge entschuldbar, wie ich finde.

In Halle 3 jedenfalls staube ich nun endlich meine erste Gratistasche ab und muss mich anschließend fragen, warum ich sie mir habe geben lassen: ein Werbeprospekt, mehr Inhalt hat die dafür mehr als überdimensionierte Tasche nicht zu bieten. Keine schönen unnützen Gaben, die ich erwartet hatte. Ich bin enttäuscht. Die zweite Tasche nehme ich gedankenverloren kurz danach entgegen. Ich war immer noch mit der Frage des „Warum?“ beschäftigt und daher nicht abwehrbereit. Völlig überraschend enthält auch sie nichts nennenswertes. Meine Konklusion: Der Buchbranche muss es wirklich schlecht gehen. Anders kann ich mir diese Taschen nicht erklären. Ich beschließe, ab sofort in keine solchen unnützen „Gratisfallen“ mehr zu tappen, schäme mich aber trotzdem für den kurzen Moment schamloser Rumkonsumiererei.

Ganz hinten in Halle 3 stoße ich auf den Teil, der mich am meisten interessiert: die Antiquariatsmesse. Zwar kann ich mir von den wirklich alten (und sehr schönen) Büchern keines leisten, aber rund um die „richtigen“ Antiquariate in ihrem extra separierten Bereich wurde eine Mauer aus nicht ganz so alten, nicht ganz so wertvollen Büchern errichtet, die mich magnetisch anzieht. Wenn es den Himmel gibt, hat er für mich eine Abteilung, die genau so aussieht…minus die Besucher. Bevor ich aber zum Sturm blase, möchte ich noch in Halle 5, schließlich muss man sich alles ansehen, wenn man schon einmal hier ist. Sagt man jedenfalls.

wird in Teil 4 fortgeführt…

Dieser Beitrag wurde am 30. März 2012 um 13:12 veröffentlicht. Er wurde unter Erlebtes, Erzählung, Prosa abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Messebesuch – Teil 3

  1. Pingback: Messebesuch – Teil 2 « klarnebel

  2. Pingback: Messebesuch – Teil 4 « klarnebel

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: