anxifer

Sobald er eintritt, steigt sein Unwohlsein. Enge empfängt ihn und umschließt ihn nach wenigen Schritten, der Eingang ist nicht mehr zu sehen. Getrieben, auf der Suche nach Raum, nach Übersicht, hastet er durch die Gänge, zieht in niedrigen, besonders engen Passagen den Kopf ein, macht sich klein und wird dabei noch schneller.

Deutlich vernimmt er das dumpfe Hämmern der Baustelle, sieht aber nicht, oher das Geräusch kommt, biegt blind ab, hetzt durch die Passagen, will weg von dem Lärm, findet bekanntes und merkt, er geht im Kreis, immer wieder, nicht immer gleich. Zu sagen, ob er vorwärts kommt, in welche Richtung er sich kreist, wird unmöglich.

Schneller und schneller läuft er durch das Labyrinth, duckt sich gerade noch rechtzeitig, spürt, wie ein Windhauch am Ohr, am Arm oder an der Schulter unerkannte Hindernisse verrät und sinkt tiefer in die Panik.

Nur flüchtig, wie im Fieber, sieht er in die Gänge links und rechts, biegt wieder wahllos ab, rennt an einer Sackgasse mit Bank vorbei, einmal, zweimal, dreimal, viermal, bis die Bank in dieser grünen Hölle zum Nullpunkt wird, zum Ausgang jeder neuen Suche nach Raum, Übersicht und Sicherheit.

Hört er Schritte, sieht er eine Gestalt, einen Schatten, weicht er aus, biegt blind ab, versteckt sich. Die Blicke, womöglich erkannt werden, zweimal begegnen, das will er nicht riskieren, kann er nicht riskiren, darf er nicht riskieren.

Gesehen, verfolgt, fängt er an zu rennen und findet trotz alledem nicht hinaus. Etwas klatscht ihm ins Gesicht. Er hält an.

Vorsichtig, ganz langsam, verfolgt er seine Schritte zurück, findet wieder die Bank und bleibt diesmal ruhig. Er betrachtet alles ganz genau, wählt wohlüberlegt aus und folgt, Kreuzung für Kreuzung seinen Spuren. Er findet, sieht den ersten Weg und eilt und rennt und sieht den Eingang und rennt hinaus, in die Weite, den Raum, die Übersicht. Ist erlöst, überblickt wieder, plant, ahnt voraus und muss nun nicht mehr Schritte und Gestalten fürchten.

Den engen, verwachsenen Gängen ist er entkommen. So unbedacht setzt er keinen Fuß mehr in den botanischen Garten.

Dieser Beitrag wurde am 1. Juni 2012 um 15:16 veröffentlicht. Er wurde unter Erzählung, Fiktion, Prosa abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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