Sommernacht oder Das Stadtcafè

Mein Gott, was für eine Hitze. Selbst abends noch! Auch als ich Freitag abends gegen zehn durch die Straßen schlendere, wird es nicht kühler. In der Fußgängerzone rührt sich fast nichts mehr, nur die Clubeingänge bilden Lichtinseln, um die sich die Menschen scharen und fröhlich, aber leicht nervös warten.

Licht und Gespräche auch in dem Restaurant mit Bar, an dem ich als nächstes vorbeikomme. Die Fenster zur Straße hin stehen alle offen und aus ihnen strömt die Hitze des Tages, als ob es den Sonnenuntergang nicht gegeben hätte. Das alte Gebäude, in einer Seitenstraße gelegen, erinnert mich mit seinen weichen gelben Lichtern und der Hitze an einen Backofen, nur die Menschen darin scheinen nichts zu merken. Sie lächeln, sprechen, essen, trinken und sind nur mit sich und ihrem Gesprächspartner beschäftigt.

Alle wirken leicht überdreht und euphorisch. Nach dem letzten schweren, heißen Arbeitstag vor dem Wochenende fehlt ihnen die Energie, um ihre Gefühle hinter Mauern zu stecken, wie sie es sonst tun. Heute wird sich dafür belohnt, die Woche durchgehalten zu haben und auf ein sonniges Wochenende gefreut. Niemand rechnet mit einem Gewitter, der Himmel ist klar, die Hitze wird bleiben, auch morgen noch.

Hier draußen ist es so schön, dass ich die Feiermenschen nicht verstehen kann, wie sie in ihre dunklen Höhlen mit dem viel zu lauten Dröhnen absteigen und die träge wabernde Sommerstille allein lassen. Lange, ehrliche und unverstellte Gespräche wie in dem Restaurant, gibt es nach diesem heißen Tag viel zu wenige. Wären alle hier und nicht unten in den Höhlen, die ganze Stadt wäre ein riesen Cafè und jedes Stück Gras, jedes Denkmal, jede Stufe ein Sitzplatz darin.

Dieser Beitrag wurde am 12. Juli 2012 um 11:00 veröffentlicht. Er wurde unter Erzählung, Gefühlte Wahrheit, Prosa abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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