Fünf minus Eins

Letzter Abend. Nach heute geht einer nach Leipzig, einer nach Stuttgart, einer nach Eichstätt, einer nach St. Andrews und einer nach Unbekannt.

Schon als die vier (Stuttgart, Eichstätt, St. Andrews, Unbekannt) zu dem einen (Leipzig) fahren, wird der Nebel, der schon den ganzen Tag mit der Sonne kämpft und allmählich anfängt zu gewinnen, wieder stärker. Die Sonne geht unter.

Die vier treffen sich mit dem einen vor einem Lokal und beim Essen wird lange geredet, viel geredet und über vieles. Lachen und Altes vereint die vier und den einen und als die fünf aufbrechen, gehen und sich schließlich zum Kartenspiel bei dem einen niederlassen, wird der Abend wie frühere Abende der fünf, auch wenn das Bewusstsein um die Besonderheit dieses Abends weit unten den Abend entlang strömt, weil die fünf bald fünf eine sein werden und sich vieles ändert.

Die fünf werden, wie zu erwarten war, sentimental, die Strömung erreicht die Oberfläche und das Spiel erlahmt, Geschichten machen die Runde, während draußen der Nebel die Domspitzen verschluckt und für diesen Abend nicht mehr freigibt. Irgendwann werden auch die Geschichten langsamer und Stille fällt ein, in der die fünf jeder für sich zusammen sind.

Als es Zeit ist zu gehen, tun dies die fünf mit schweren Herzen, ganz bedächtig, weil schwere Herzen leichter brechen. Auf der steinernen Brücke muss der eine dann in die andere Richtung und nimmt Abschied, aus den fünf werden hier wieder die vier und der eine, als der den grauen Nebel zuzieht, weg ist. Noch einen Augenblick stehen die vier, drehen sich dann um und lassen die Brücke einsam.

Heimwärts nochmal gute Stimmung, die vier verdrängen kurz das Ende, bis der Sitz dem Bahnsteig und der der Unterführung weicht. Hier stehen die vier und verabschieden sich mit dem Wunsch, der unausgesprochenen Aufforderung und gegenseitigen Bestätigung „Auf Bald. Wir sehen uns wieder…auf bald.“ Die drei gehen zur Treppe, der eine zur Rampe und im Auto wiederholen die drei, was sie im Zug geschafft haben und hier nicht so lange, nicht so tief gelingen will. Aus den dreien werden zwei, als der eine am Hang aussteigt.

Die Zwei sind beste Freunde, seit 17 Jahren, ihnen fällt der Abschied besonders schwer und der wird deshalb mit dem festen Versprechen auf baldigen, gegenseitigen Besuch besiegelt…damit es nicht ganz so schwer fällt.

Der Eine fährt jetzt zurück zu sich, verliert sich währenddessen in seinem Gehirn und denkt und kommt zu dem Schluss, dass Abschied auch immer ein Scheintod ist, wegen dem Potential für den echten und ihn schon deswegen keiner mögen kann, den Abschied und den Tod im Kleinen, auch nicht die Fünf, die jetzt fünf eine sind.

Dieser Beitrag wurde am 23. Oktober 2012 um 17:32 veröffentlicht. Er wurde unter Erlebtes, Erzählung, Prosa abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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